Wednesday, October 31, 2012

Really Great Falls

Wie gestern angekündigt, führt der Potomac am Tag zwei nach Sandy viel Wasser. Sehr viel Wasser! Aus West Virginia kommend, braun und aufgewühlt. Was dazu führt, dass die Flut den Potomac 20 Meilen weiter flussabwärts, in Georgetown oder Alexandria, über die Ufer treten lässt. Aber das passiert sowieso mehrmals im Jahr und richtet normalerweise keine größeren Schaden an.

Die Plattform an den Great Falls ist für Besucher gesperrt und die dorthin führende Brücke wird von einer Rangerin bewacht. Bessere Bilder bekommt man, wenn man sich in die Büsche schlägt und auf die Felsen unterhalb der Brücke klettert:



Man muss etwas aufpassen, dass man auf den rutschigen Steinen nicht ausrutscht, aber ganz so gefährlich wie es aussieht, ist es auch wieder nicht. Etwas störend war nur die Gischt, die überall in der Luft herum wirbelte und Objektiv und Kamera einnebelte.

Tuesday, October 30, 2012

Sandy, Sandy, GO Away...

...Come Again NO other DAY.

Das stand auf der Tür eines Geschäfts am Ende der King Street in Old Town Alexandria:



Alexandria liegt ein paar Meilen südlich von DC, direkt am Potomac River. Der ist gestern tatsächlich über die Ufer getreten, aber nur ein paar Zentimeter. So waren in Old Town zwar viele Sandsäcke zu sehen, aber offenbar gab es keine größeren Schäden:



Überraschenderweise konnten wir trotzdem mehrere Film- und Fernsehteams und diverse Fotojournalisten bei der Arbeit beobachten:



Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die Einwohner den Sturm keinesfalls als überstanden ansehen, sondern wegen der Regenfälle in den Oberläufen des Flusses mit weiteren Potomac-Fluten rechnen. Die mit Hilfe von Freiwilligen gefüllten und an Anwohner und Geschäftsleute verteilten Sandsäcke waren es, die die Journalisten interessierten.

Insgesamt hat sich allerdings der Eindruck von heute morgen bestätigt: Washington DC und Umgebung scheinen offenbar mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein! Nicht so dagegen New York, wo Sandy verheerende Schäden anrichtete. Alle Medien sind am Tag nach dem Hurrican voll davon, und das gesamte Ausmaß wird erst langsam sichtbar.

Es ist vorbei

Sieht so aus, als wär's geschafft.

Das Haus steht noch, der Keller ist nicht überflutet und wir haben Strom. Es regnet nur noch leicht und der Wind weht mit 10 mph. Das Barometer ist von 968 auf 980 hPa gestiegen. Es ist kalt geworden.

Wir haben Glück gehabt; New York und die anderen Städte an der Ostküste hat's schlimmer erwischt.

Noch eine Stunde bis Sonnenaufgang.

Monday, October 29, 2012

Sandy am Montag

In Potomac wird es gerade dunkel, und der schlimmere Teil des Hurricanes bahnt sich an. Bisher gab es in unserer Region "nur" Dauerregen und Sturm, aber in ein paar Stunden wird "Sandy" an Land gehen und weitere Regenmassen und Böen mit 70 bis 80 mph mit sich bringen.

Die Straßen sind wie leer gefegt, öffentliche Einrichtungen, Behörden und Geschäfte geschlossen. Praktisch das gesamte öffentliche Leben ist hier seit heute Mittag zum Erliegen gekommen. Im Gegensatz zu den Küstenregionen ist aber noch nicht wirklich viel kaputt gegangen.

Nachfolgend ein paar Eindrücke aus der Region; aufgenommen heute Nachmittag, zwischen 16:00 und 18:00 Uhr.


Abgerissene Äste und Laub auf der Gainsborough Road in Potomac


Ein menschen- und autoleerer Rockville Pike


Einer der wenigen Fußgänger in der Nähe des Rockville Town Square


Rechte Spur überflutet: Auch die Polizei kämpft mit den Fluten


Bei diesem Wetter hilft auch der Regenschirm nicht mehr

Nachtrag von ca. 22:00 Uhr:

Das Licht flackert schon seit Stunden bedenklich, aber der Strom ist noch da! Das Stormcenter von PEPCO, dem nach den letzten Stromausfällen sehr in die Kritik geratenen lokalen Stromversorger, zeigt etwa 12000 stromlose Haushalte in Montgomery County an. Das ist einigermaßen erfreulich, denn nach dem Derecho im Juli waren es Hundertausende!

Das Unwetter erinnert hier derzeit sehr an die stärkeren norddeutschen Herbststürme: nervig und unangenehm, aber (für den einzelnen Haushalt) nicht desaströs. Wenn es so bleiben sollte, wären wir noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Das soll allerdings keine Prognose sein, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! So wie jetzt wird es noch mindestens 12 - 16 Stunden weitergehen, und die Küstenorte am Atlantik und New York hat es schon ziemlich übel getroffen.

Ebenso erstaunlich wie erfreulich finde ich, dass die Presse so gut funktioniert. Aktuelle Infos finden sich dankenswerter Weise auf allen wichtigen Websites, etwa bei der New York Times, der Washington Post oder auf Spiegel Online. Wenn man weit weg ist, mag diese bilderreiche, minutengenaue Berichterstattung nach Sensationsjournalismus riechen. Ist man vor Ort, freut man sich über jedes aktuelle Stück Information.

Sunday, October 28, 2012

Warten auf Sandy

An der Ostküste der Vereinigten Staaten braut sich ein Unwetter zusammen. Radio und Fernsehen sind voll davon, auch die deutschen Medien sehen es als große Sache an.

Grund ist der riesige Hurrican "Sandy", der in der Karibik viele Menschen getötet und schwere Verwüstungen angerichtet hat, und der sich in den USA womöglich noch mit einem aus dem Landesinneren kommenden Wintersturm überlagern wird.

Problematisch ist nicht nur der orkanartige Wind, sondern auch die Menge des niedergehenden Regens. Ebenso die gigantische Ausdehnung des Sturms. Das hier mit dem Namen "Frankenstorm" betitelte Unwetter wird etwa zwei Tage andauern.

Der "Landfall" wird morgen oder übermorgen in Delaware erwartet. Derzeit ist es in Maryland und Nord-Virginia noch verhältnismäßig ruhig.



An der Küste von South Carolina stürmt es aber schon kräftig, Ocean City hat bereits "landunter". New York hat den Ausnahmezustand verhängt, weite Teile des Zug-, Bus und Flug-Verkehrs werden eingestellt. Schulen und Behörden (auch die dt. Botschaft) bleiben geschlossen.

Vermutlich wird hier morgen das öffentliche Leben stark eingeschränkt sein oder zum Erliegen kommen. Wir sind - so gut es geht - vorbereitet und hoffen, dass es glimpflich ausgeht. Laut den Meteorologen sind Überflutungen und Stromausfälle von mehreren Tagen unausweichlich!

Weitere Infos gibt es auf spiegel.de, auf der Website der Washington Post oder bei weather.com.

Friday, October 19, 2012

Kurz und kräftig

Auf der Falls Road hat uns ein kräftiger Regen überrascht. Die Sicht war gleich null, die Scheibenwischer kamen kaum noch gegen die Wassermassen an. Fahren war nur noch im Schritttempo möglich.



Aber wie das hier so ist, kurze Zeit später ist der Spuk vorbei und die Sonne kommt wieder zum Vorschein. Gut, wenn man ein fotografierendes Handy dabei hat. Schade, dass man es als Fahrer nicht verwenden darf ;-)

Friday, October 12, 2012

Einmal Brooklyn und zurück

Am vorletzten Samstag haben wir einen Tagestrip nach New York unternommen.

Genau, morgens hin und abends wieder zurück.

Was sich etwas großspurig nach einem Flug mit dem Cityjet und Shopping auf der 5th Avenue anhört, kann man als "Washingtonian" viel billiger haben. Mit dem Tripper-Bus kann man nämlich schon für 30 Dollar nach New York und wieder zurück kommen.

Abfahrt ist morgens um halb acht in Bethesda. Vier Stunden später findet man sich am Madison Square Garden wieder, mitten in Downtown Manhattan. Um 19 Uhr wird der Rückweg angetreten und weitere vier Stunden später ist man wieder in der Heimat.

Hört sich langweilig an, ist es auch. Aber immerhin springen sieben Stunden Manhattan dabei heraus, ohne dass man sich für 160 Dollar in ein übles Hotel einmieten und am nächsten Tag mit dem Trolley am langen Arm quer durch die Stadt laufen muss.

Die Busfahrt ist im Großen und Ganzen akzeptabel. Es gibt eine Flasche Wasser und ein hakeliges WLAN for free. Der Bus hat eine Toilette, und mit etwas Glück hält der Fahrer an einer der zahlreichen Raststätten an. Während der Fahrt kommt man an den sehenswerten Skylines von Baltimore und Philadelphia vorbei und kann während der letzten Viertelstunde die Hochhäuser von Manhattan bestaunen. Auch die Fahrt durch den Lincoln Tunnel ist ein Erlebnis, auf das man mit dem eigenen Auto gerne verzichtet.

Unse Ziel war diesmal nicht Manhattan, sondern Brooklyn. Also haben wir uns mit dem Taxi zum City Hall Park fahren lassen und uns zu Fuß auf den Weg über die Brooklyn Bridge gemacht. Die Brücke hat nicht nur eine tolle Architektur,...



...sondern bietet auch einen fantastischen Ausblick über den East River und Lower Manhattan:





Nach zwei Kilometern waren wir in Brooklyn und sind über die Washington Street zum Brooklyn Bridge Park gegangen. Auf dem Weg dorthin hat sieht man in Verlängerung der Straße die riesige Manhattan Bridge und genau zwischen ihren Pfeilern - in fünf Kilometern Entfernung - das Empire State Building (eine der bekannten DUMBO-Aufnahmen):



Der Park bot jede Menge Aktion...



...und einen tollen Blick auf Manhattan - der mich erschreckend an die etwas weiter nördlich aufgenommene, 9/11-Ikone von Thomas Hoepker erinnerte:



Den Rückweg haben wir über die Manhattan Bridge genommen, die mehr oder weniger parallel zur Brooklyn Bridge verläuft:





Sie führt direkt an der Weltzentrale der Zeugen Jehovas vorbei, einem riesigen Gebäudekomplex mit "Watchtower"-Inschrift auf dem Dach, und bietet ihrerseits einen fantastischen Ausblick auf Lower Manhattan mit der Brooklyn Bridge im Vordergrund. Am Ende der Brücke waren wir mit dem Chaos der Dächer von Chinatown auf Augenhöhe und sind schließlich ungefähr wieder dort gelandet, wo wir angefangen haben.





Der kleine Rundgang hat etwa drei bis vier Stunden gedauert. Wir konnten danach in aller Ruhe zum Bryant Park fahren, eine Kleinigkeit essen und hatten anschließend noch genügend Zeit, zu Fuß zur Bushaltestelle zurück zu gehen.

Friday, October 5, 2012

Jetzt wird's bunt

Wer hier in Maryland, Virginia oder West Virginia den "Indian Summer" erleben möchte, sollte nicht mehr allzu lange warten, denn aufgrund des trockenen Wetters wird er in diesem Jahr etwas früher eintreten als üblich.



Laut aktuellem Fall Color Report hat etwa der Shenandoah National Park bereits gute 50 Prozent seiner "Herbstfarbe" erreicht:

"Fall color in Shenandoah National Park overall is currently at 50% to 60%. Color arrived earlier than usual this year, and so the peak of color is likely to occur in the second week in October, which would put peak weekend at its usual Columbus Day Weekend spot – this year, Friday, October 5, through Monday, October 8."

Um einen Eindruck vom Stand der Laubfärbung zu bekommen, habe ich mir heute den Black Hill Regional Park bei Germantown angesehen. Dort ist das Laub aber noch nicht ganz so weit; vielleicht 10 Prozent der Bäume sind bisher so bunt wie dieser:



Was ihrer Wirkung allerdings keinerlei Abbruch tut, denn gerade die Kombination von rot und orange mit grün und gelb sieht sehr schön aus. Und einzelne bunte Bäume in einem Meer von einfarbigen fallen besonders gut auf.

Wie auch immer, wer es richtig machen will, fährt natürlich den Skyline Drive im Shenandoah National Park entlang! Auch wenn es dort in den nächsten Tagen und Wochen ganz bestimmt wieder sehr voll sein wird...

Tuesday, October 2, 2012

C & O Canal reactivated

Eigentlich ist der C & O Canal schon fast hundert Jahre außer Betrieb. Aber gelegentlich gibt es historische Events, in denen vorgeführt wird, wie der Transport von Gütern und Personen über den Kanal einst funktionierte.

Letzten Sonntag sind wir zufällig auf eine Vorführung an der Great Falls Tavern gestoßen. Der Kanal wurde geflutet und das dort liegende Schiff "Charles F. Mercer" reaktiviert. Touristen konnten dann wie in alten Zeiten auf dem Schiff eine der Schleusen durchqueren und sich mit Pferdekraft ein paar hundert Meter über den Kanal ziehen lassen.

Da ich keine "richtige" Kamera dabei hatte, habe ich das iPhone genommen und eine kleine Reportage geschossen. Mit seiner Brennweite von etwa 35 mm (entspr. KB) ist es - bei gutem Licht - die perfekte Immerdabei-Kamera für die Story zwischendurch. Auf Flickr beispielsweise ist das iPhone bereits die häufigsten genutzte Digitalkamera und hat die Canons, Nikons und Panasonics lange überholt.

Los geht's.


Die "Charles F. Mercer" wird von zwei Maultieren über den Kanal in die Schleuse gezogen.


Mit Muskelkraft wird das obere Schleusentor geschlossen. Auch die zuschauenden Touristen müssen mit anpacken.


Nachdem das Wasser heraus gelassen und das Schiff um einen guten Meter abgesenkt wurde, verlässt es die Schleuse durch das untere Tor.


Mit einer langen Stange wird die "Charles F. Mercer" gedreht; sie ist gerade so lang, wie der Kanal an dieser Stelle breit ist.


Nun hat das Schiff wieder an seiner Anlegestelle fest gemacht, um die Touristen ein- und aussteigen zu lassen. Im Hintergrund sieht man die Great Falls Tavern.

Wie ihr seht, kann man auch mit einfachen Mitteln eine kleine Story erzählen. Es braucht dazu nichts weiter als ein Smartphone, ein gutes Auge und ein bisschen Übung mit der Schreiberei. Am besten, ihr probiert es selbst einmal aus!

PS. Weitere Potomac Adventures Artikel zum C & O Canal finden sich hier.

Friday, September 28, 2012

Afternoon of Art

Am 6. Oktober, also am Samstag in einer Woche, findet in der Torpedo Factory von 13 bis 17 Uhr der "Afternoon of Art" statt. Das ist eine Art Tag der offenen Tür, den die Künstler der Nordseite der dritten Etage veranstalten:



In diesem Bereich finden sich die Fotografen der TF, aber auch tolle Maler, Keramiker und andere Künstler. Nach der diesjährigen "Annual Jury" sind viele neue Künstler hinzu gekommen, neue Werke entstanden, und etliche der Studios haben sich verändert.

"3 North" ist sehr international, es gibt Verbindungen nach Italien, Spanien, Schottland, Irland, Deutschland, Tschechien, Russland, und ich weiß nicht, wohin noch; es werden viele unterschiedliche Sprachen gesprochen. Am 6.10. wird es unzählige Gelegenheiten geben, in netter und entspannter Atmosphäre Gespräche mit den Künstlern zu führen.

Die Adresse ist:

Torpedo Factory Art Center
105 North Union Street
Alexandria, VA 22314

Also Leute, fühlt euch eingeladen! Natürlich kann man an diesem Tag auch den Rest der Torpedo Factory besichtigen, ein Besuch lohnt sich also auf jeden Fall. Wir sehen uns am Samstag, den 6. Oktober in der Torpedo Factory!

(Das Plakat hat Min Enghauser entworfen)

Wednesday, September 26, 2012

Weberknecht II

Vor ein paar Jahren gab es auf Brobo Photo schon einmal einen Weberknecht zu sehen (irgendwie faszinieren mich diese Tiere). Damals als Beispiel für die Makrofähigkeiten der Canon S5, die ich für (sehr) kurze Zeit mein Eigen nannte.

Letzte Woche ist mir beim Marsch über den Billy Goat Trail wieder mal ein fotogenes Exemplar vor die Linse geraten (wie es sich für die USA gehört natürlich etwas größer als die norddeutsche Version):



Diesmal habe ich aber nicht mit einer billigen Superzoom-Kamera fotografiert, sondern mit der Olympus E-M5 und dem Panasonic 2.8/12-35-Objektiv. Einer der Gründe für den Kauf dieses recht teuren "Profi"-Objektivs war die Tatsache, dass es auf allen Brennweiten eine vergleichsweise geringe minimale Fokus-Entfernung von 20 cm hat, damit lassen sich bereits einfache Makroaufnahmen machen:



Der Weberknecht zeigt jedenfalls ordentlich Details (man erkennt z.B. seinen "Augenhügel" sehr gut), obwohl die Aufnahme aus der Hand, mit mittelprächtiger JPEG-Qualität und ohne zusätzliches Licht gemacht wurde (f/4, 1/400s., ISO 400).

Weitere Informationen zu Weberknechten finden sich in diesem Wikipedia-Artikel; das sehr gute 12-35er wird z.B. bei Steve Huff vorgestellt.

Friday, September 14, 2012

Update Studio 306

Nach ein paar Tagen des Renovierens sieht es in Studio 306 jetzt so aus:



Ich habe eine Million Löcher zugeschmiert, die Wand (dreimal) grau gestrichen und die Bilder neu angeordnet. Der "experimentelle" Teil auf der linken Seite musste einer Fläche für wechselnde Mini-Ausstellungen weichen (mehr darüber zu gegebener Zeit). In Kürze werde ich noch etliche der Rahmen und Passepartouts auswechseln, ein Konzept dafür ist in Arbeit.

Ältere Ansichten des Studios finden sich Stand der Dinge und Studio 306.

Wednesday, September 12, 2012

Kerzenleuchter

Nachdem ich ein paar Bilder von Josef Sudek gesehen habe, hatte ich mal wieder Lust auf etwas ganz Einfaches:



Jeden Morgen scheint das Sonnenlicht durch eines der Wohnzimmerfenster ins Treppenhaus. Erst nur ganz schwach, dann immer stärker und kontrastreicher, um am späten Vormittag langsam wieder zu verschwinden. Ein schönes Motiv, das vom Licht, den diagonalen Linien und den Tonwertkontrasten lebt.

Tuesday, September 11, 2012

A "Challenging Commute"

Es gibt doch nichts Schöneres, als in der klaren Morgenluft eines sonnigen Spätsommertages am Potomac River entlang zu fahren. Theoretisch jedenfalls:



Unglücklicherweise führt mein Weg ins Studio an allen wichtigen Brücken und den Ein- und Ausfallstraßen nach Rosslyn, Crystal City, dem Arlington National Cemetery und dem Pentagon vorbei. Wenn dann noch der 11. September auf dem Kalender steht, ist man eigentlich selber schuld, wenn man ins Auto steigt - oder man hat keine Wahl...

Statt der üblichen 35 Minuten habe ich heute 80 Minuten gebraucht, um nach Alexandria zu kommen! Was den verkehrstechnisch abgehärteten Amerikaner offenbar nur mittelmäßig schreckt *), ist für den an leere Straßen gewöhnten Norddeutschen, der in den letzten zehn Jahren einen Arbeitsweg von 5 Minuten mit dem Rad hatte, ziemlich schwer verdaulich. Im Radio wurde die vollkommen zerfahrene Situation etwas euphemistisch als "Challenging Commute" bezeichnet.

Ein kleiner Trost war die Möglichkeit, im Stau stehend endlich mal wenigstens ein schnelles Handyfoto von meiner Lieblingsansicht auf Georgetown schießen zu können:



Diese Stelle liegt mitten auf dem George Washington Parkway und ist für Fußgänger und Fotografen normalerweise leider nicht zugänglich.

*) Viele AutofahrerInnen nutzen die Zeit, um während der Fahrt zu telefonieren, zu spielen, SMSe zu schreiben, sich zu schminken, die Zeitung zu lesen, zu essen und zu trinken, usw... Das führt dazu, dass sie abgelenkt sind und von der Spur abkommen, Schlangenlinie fahren, zu spät bremsen oder das Wiederanfahren verschlafen. Hört sich schlimm an, ist es auch! Leider ist "Distracted Driving" in den USA dank der Allgegenwärtigkeit der Smartphones ein Riesenproblem geworden, insbesondere bei den Teens. In manchen Statistiken wird es bereits für fast 30 Prozent aller Verkehrsunfälle verantwortlich gemacht. Hundertausende von Verkehrsunfällen und tausende von Toten (!) werden in den USA mittlerweile pro Jahr auf "Distracted Driving" zurückgeführt.

Sunday, September 9, 2012

Art in Public Spaces

Jedes Vierteljahr veranstaltet die Torpedo Factory die "Art in Public Spaces" Initiative, um die vielen weissen Wände außerhalb der Studios mit Kunstwerken auszustatten:



Einerseits steht den Künstlern so neben ihren Studios eine ganze Menge zusätzlicher Ausstellungsfläche zur Verfügung, andererseits wird das Gebäude bunter, interessanter und attraktiver für die vielen Besucher.

Man kann teilnehmen, wenn man "Associate" oder "Resident Artist" ist und darf sich dann mit maximal drei bis vier Werken bewerben, die an geeigneter Stelle im Gebäude aufgehängt werden.

Ich habe ein "Tetraptychon" aus Hipstamatik-Prints eingereicht:



Es nennt sich "Walking Around", weil die Bilder "nebenbei" während zweier Spaziergänge mit dem Smartphone aufgenommen wurden. Sie sollen u.a. zeigen, dass man gar kein aufwändiges Equipment braucht, um interessante Aufnahmen zu produzieren, sondern lediglich ein geschultes Auge und etwas Kreativität.

Zusätzlich konnte man sich in diesem Quartal erstmals um eine "Mini Show" bewerben.

Ich habe die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und ein Proposal für die Heading Northwest-Bilder eingereicht, denn sie wurden bisher noch nie zusammenhängend gezeigt. Mein Vorschlag wurde angenommen, und acht von den Bildern hängen nun um die Ecke im Flur vor unserem Studio:



Sie zeigen Hamburg, Itzehoe, Brokdorf, Brunsbüttel, Hemmingstedt, Westerhever, Nordstrandischmoor und Helgoland:



Was mich besonders freut, ist dass diese kleine Ausstellung meine alte Heimat Norddeutschland in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten bringt, und dass die Bilder in den nächsten drei Monaten von vielen tausend Besuchern aus den USA und der ganzen Welt gesehen wird :-)

Monday, August 27, 2012

Great Falls Detail

Da die Great Falls of the Potomac River "um die Ecke" liegen, war ich schon unzählige Male dort. Natürlich hatte ich meist eine Kamera dabei, aber die Bildergebnisse waren oft enttäuschend. Zwar hat man von den Aussichtsplattformen in Maryland oder Virginia einen tollen Überblick über die Stromschnellen, und die Größe und Weite des vor einem liegenden Naturschauspiels ist beeindruckend.

Für ein gutes Foto fehlte jedoch ein Center of Interest, also eine herausgehobene Stelle im Bild, an der das Auge sich festklammern und der Blick des Betrachters immer wieder zurück kehren kann. Alle Versuche, die Great Falls mit einem Weitwinkel- oder den moderaten Tele-Brennweiten eines Kit-Objektivs (oder eines Smartphones) zu fotografieren, waren letztlich unbefriedigend, weil es mir nicht gelungen ist, einen guten Blickfang zu finden.

Etwas besser wurde die Sache erst, als ich ein langes Teleobjektiv dabei hatte:



Bei etwa 200 mm (equiv.) Brennweite kann man sich besser auf Details konzentrieren; in diesem Fall auf einen der vielen kleineren Wasserfälle innerhalb der Stromschnellen. Die umliegenden Felsinseln rahmen das Hauptmotiv ein und führen das Auge des Betrachters im Bild herum. Das Licht war leicht diffus und arbeitete die Textur der Felsen gut heraus, ohne allzu harte Schatten zu werfen.

Glück hatte ich auch, weil der Potomac River schon seit Monaten sehr wenig Wasser führt, denn dadurch ragen Felsen aus dem Wasser, die man sonst gar nicht sehen (und zur Bildgestaltung verwenden) könnte. Zudem leuchtet das Wasser schön blau und grün - ganz im Gegensatz zu dem hässlichen Braun, das es hat, wenn nach ausgiebigen Regenfällen oder nach der Schneeschmelze viel Wasser aus den Oberläufen der zuführenden Flüsse heruntergespült wird.

Sunday, August 26, 2012

Am C & O Canal III

Über den C & O Canal habe ich hier schon mehrfach geschrieben. Wir sind immer mal wieder da, aber bei unserem letzten Besuch sah es anders aus üblich:



Die impressionistische Bildwirkung kommt dadurch zustande, dass sich die in der Nachmittagssonne aufgehellten Baumwipfel im Kanal spiegeln und durch die eigenartige Interferenz mit der Wasseroberfläche farbige, weich fließende, an Pinselstriche erinnernde Muster bilden. Monet hätte es nicht besser hinbekommen ;-)

PS. Ein paar Hinweise zu "impressionistischen Fotografien" findet ihr hier.

Wednesday, August 22, 2012

Es blitzt!

Bei einem Profi gehört der Aufhellblitz zum festen Repertoire seiner Trickkiste; kontrastreiche Gegenlichtaufnahmen sind dafür geradezu prädestiniert:



Ich habe zum Aufhellen dieses Fotos den kleinen Aufsteckblitz verwendet, der im Lieferumfang der Olympus E-M5 enthalten ist. Seine Intensität lässt sich gut regeln und die Stärke reicht für solche Close-Ups allemal aus. Ohne Blitz wäre das Katzengesicht nicht nur dunkler, sondern auch viel weniger detailreich geworden. Die Qualität des Bildes wäre ohne Aufheller sehr viel (!) schlechter geworden.

Selbst Point-And-Shoot-Kameras haben meist einen eingebauten Blitz, den man zum Aufhellen verwenden kann. Entscheidend ist die Möglichkeit, die Blitz-Intensität regulieren zu können; eine Einstellung, die bei vielen Kameras tief im Menüsystem versteckt ist. Es lohnt sich, damit zu experimentieren, und wer es noch nicht gemacht hat, sollte es am besten selbst einmal ausprobieren!

Saturday, August 11, 2012

Gravelly Point

Nördlich vom Reagan National Airport befindet sich zwischen der Stadt Arlington und dem Potomac River der Gravelly Point Park.

Der Name "Park" ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn eigentlich handelt es sich nur noch um einen großen Parkplatz, der in nördlicher Fahrtrichtung vom George Washington Parkway erreichbar ist, und der ideale Voraussetzungen für Plane Spotter bietet.

Denn wenn man zur richtigen Tageszeit da ist und der Wind aus südlicher Richtung weht, fliegen im Minutenabstand Flugzeuge bis etwa zur Größe einer Boeing 737 in wenigen Metern Abstand über den Park hinweg, um ein paar Sekunden später auf dem nur 300 Meter entfernten Airport zu landen:



Das ist bei den meisten Flugzeugtypen derart druckvoll und laut, dass man sich einerseits fragt, wieso diese Art von Technik überhaupt so oft und so fehlerfrei funktioniert und man andererseits nach jedem Überflug dankbar ist, dass der Flieger nicht vor den eigenen Füßen auf die Wiese gestürzt ist.

Alles in allem: Nervenkitzel pur, unbedingt mal hinfahren!

Monday, August 6, 2012

Concepcion II

Vor einiger Zeit hatte ich einen Artikel über Concepcion Picciotto geschrieben, die Dauerprotestlerin vor dem weißen Haus.

Kürzlich waren wir wieder einmal da - und Concepcion auch. Ihre Botschaft diesmal: "Disarm IsraHell":



Ehrlich bewundernswert, das Stehvermögen dieser alten Dame - und das meine ich überhaupt nicht abwertend! Ich habe ein paar Schnappschüsse gemacht und konnte einen davon auf Portraitformat vergrößern. So sieht sie also aus :-)

Sunday, August 5, 2012

Ordnung und Chaos

Während der vergangenen Woche in der Torpedo Factory habe ich mir Gedanken über Dinge wie Ordnung, Chaos, Unordnung, Aufräumen, etc. gemacht. Warum? Fast jedes Buch über (fotografische) Bildgestaltung fordert, das die eigenen Fotos eine gewisse Ordnung haben sollten. Dass nicht zu viele und nicht zu wenige Elemente darin sein sollen. Dass man als Fotograf (der anders als ein Maler subtraktiv arbeitet) seine Bilder von unnötigem Ballast befreien soll.

Die "richtige" Balance zwischen Einheit und Vielfalt, zwischen Einfachheit und Komplexität ist eine der ganz großen heiligen Kühe der darstellen Kunst.

Niemand erklärt aber so recht, wie man Ordnung bzw. Unordnung misst, und welche "Operatoren" es gibt, den einen Zustand in den anderen zu überführen. Da eines der Unterkapitel in meinem Buch (wenn es denn mal eins wird) sich mit genau diesem Thema beschäftigen wird, wollte ich ein wenig Grundlagenarbeit leisten und habe im Studio experimentiert.

Hier z.B. eine Serie mit bunten Radiergummis:







Oder mit Büroklammern:







Ich habe auch mit Gegenständen experimentiert, die mehr als eine unterscheidbare Dimension hatten, mit einfarbigen Gegenständen, mit solchen, bei denen die Orientierung eine Rolle spielt, mit kleinen und großen Anzahlen, mit dem Einfluss der Schwarz-Weiß-Fotografie, mit realen Dingen, mit Behältern ohne oder mit transparentem oder blickdichtem Deckel, usw...






Diese Experimente haben bei den Besuchern und bei einigen Studionachbarn einiges Interesse verursacht, und ich habe ein paar interessante Anregungen bekommen. Ohne zuviel zu verraten, sei gesagt, dass ich (nach mehreren Fehlversuchen) sowohl eine ganz brauchbare Metrik gefunden habe, um die Anzahl der wahrgenommenen Elemente in einer Bildszene zu "zählen", als auch eine Liste der Operatoren, mit denen Bilder (und andere Dinge) aufgeräumt oder unordentlich werden können.

So weit, so gut. Jetzt gilt es, die Verbindung zwischen diesen theoretischen Vorarbeiten und der tatsächlichen Praxis des Fotografierens herzustellen und das Ganze mit Beispielen zu würzen und in eine lesbare und verständliche Form zu bringen. Dann wäre einer von etwa fünfzehn Unterabschnitten in trockenen Tüchern.